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#19 What goes around comes around

Der Kreislaufwirtschaft - Newsletter von der KEK

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Kreislaufwirtschaft-Newsletters What goes around comes around!

Arbeiten Sie im Einkauf oder haben schonmal eine Beschaffung getätigt? Kommen Ihnen diese Thesen bekannt vor? "Wir können leider nicht nachhaltig oder zirkulär ausschreiben. Das deutsche Vergaberecht ist sehr strikt - wir müssen immer den günstigsten Anbieter nehmen" oder "Gebrauchte Produkte sind ein Risiko". Thesen, die eher wie Totschlagargumente klingen. Die bei einer Beschaffung tatsächlich anfallenden Kosten (Lebenszykluskosten) werden hier schnell mal außer Acht gelassen. Da wären die Anschaffungskosten, die Nutzungskosten (insbesondere der Verbrauch von Energie und anderen Ressourcen), Wartungskosten, Kosten am Ende der Nutzungsdauer (insbesondere die Abholungs-, Entsorgungs- oder Recyclingkosten) oder Kosten, die durch die externen Effekte der Umweltbelastung entstehen, wie Emission von Treibhausgasen und anderen Schadstoffen.

Der Begriff Lebenszykluskosten wurde 2014 erstmals in den EU-Vergaberichtlinien legal definiert. Die Berücksichtigung von Lebenszykluskosten kann also im Rahmen der technischen Spezifikationen der Leistungsbeschreibung oder als Zuschlagskriterium bei der Angebotswertung erfolgen. (Quelle: Bundesumweltamt)

Das Umweltbundesamt stellt für die Berechnung von Lebenszykluskosten seit letztem Jahr das "LCC-CO2-Tool"  über seine Webseite bereit, um eine Prognose der verursachten Treibhausgasemissionen während des gesamten Lebenszyklus zu erstellen.

Zirkuläre Beschaffung gewinnt an Bedeutung – nicht nur als Nachhaltigkeitsthema, sondern als echter Hebel für Effizienz, Innovationskraft und Ressourcenschonung. Immer öfter erkennt der Einkauf, dass die Frage „Was kaufen wir ein?“ untrennbar mit „Wie wollen wir wirtschaften?“ verknüpft ist. Durch kreislauforientierte Ansätze lassen sich Kosten senken, Umweltwirkungen reduzieren und gleichzeitig regionale Wertschöpfung stärken.

Wir haben zum Thema "zirkuläre Beschaffung als Hebel" mit Andre Hempel gesprochen. Er ist Co-Founder von CADEMI, einer Plattform, auf der sich Mitwirkende an der ökologischen Transformation vernetzten und durch diverse Workshops weiterbilden können. Unternehmen und Organisationen werden dabei unterstützt,  zirkuläre Geschäftsmodelle nicht nur zu verstehen, sondern diese auch aktiv mit starken Partnern umzusetzen, um einen nachhaltigen Impact zu erzielen.



Andre Hempel,Co-Founder von CADEMI

Bild: privat

Warum ist der Einkauf aus deiner Sicht einer der wichtigsten Hebel für Kreislaufwirtschaft?

Der Einkauf ist der systemische Gatekeeper - er entscheidet, ob Ressourcen überhaupt in den Kreislauf kommen oder linear entsorgt werden.
Mit einem jährlichen Beschaffungsvolumen von über 350 Milliarden Euro im öffentlichen Sektor hat jede Ausschreibung Marktgestaltungsmacht: Wer Reparierbarkeit, Modularität und Rücknahmekonzepte fordert, zwingt Hersteller zur Innovation. Gleichzeitig ist der Einkauf der unterschätzte Bestandsmanager – das größte Potenzial nicht zuerst im "grüneren Neukauf", sondern in der intelligenten Weiternutzung vorhandener Ressourcen. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) und die Berliner Kreislaufwirtschaftsstrategie (BKWS) schaffen jetzt u.a. für eine nachhaltige und auch zirkulärere Beschaffung den regulatorischen Rückenwind. Der Einkauf wird damit vom Kostenfaktor zum strategischen Transformationstreiber - mit direkter Wirkung auf CO₂-Bilanz, Budgets und Versorgungssicherheit.
Der Einkauf entscheidet nicht nur, was beschafft wird - sondern ob überhaupt beschafft werden muss.


Wie beschaffe ich überhaupt zirkulär und ab wann gilt eine Beschaffungsentscheidung als zirkulär? Welche Daten sind entscheidend?

Eine Beschaffung ist zirkulär, wenn sie aktiv Ressourcenkreisläufe schließt, durch drei Mechanismen: (1) Bestandsintegration (ReUse/Refurbishment vor Neukauf), (2) Lebensdauerverlängerung (Reparierbarkeit, Modularität) und (3) End-of-Life-Planung (vertragliche Rücknahme, Recycling).
Die entscheidenden Daten sind nicht die üblichen Nachhaltigkeitszertifikate, sondern harte Kreislaufindikatoren: Garantierte Lebensdauer, Ersatzteilverfügbarkeit (Jahre + Kosten), Modularität (austauschbare Komponenten), vertragliche Rücknahmeverpflichtung und Betrachtung der „Total Costs of Ownership (TCO)“ über den gesamten Lebenszyklus. Weniger relevant sind isolierte CO₂-Werte ohne Nutzungsphase oder die Anzahl von Zertifikaten ohne Substanzprüfung. Die richtige Bewertungsmatrix (Funktion, Ästhetik, Bedarf, Zustand) mit umsetzbarer Verwertungskaskade (ReUse → Refurbishment/Remanufacturing → Verkauf → Recycling) standardisiert diesen Prozess und verhindert "Data Overload". 5-7 harte Kriterien schlagen 50 weiche.
Zirkulär beschaffen heißt, Bestand vor Neukauf, Lebensdauer vor Preis, Kreislauffähigkeit vor Zertifikat.



Wie argumentiert man intern gegen die Beschaffung des preisgünstigsten Angebots?

Die Vorgabe für das "günstigste Angebot" existiert rechtlich nicht.
Die Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (Vergabeverordnung - VgV) verlangt das wirtschaftlichste Angebot (§ 58 VgV) und definiert „ein bestes Preis-Leistungs-Verhältnis unter Einbeziehung qualitativer, umweltbezogener und sozialer Kriterien“. Der wichtigste Punkt vor jeder Ausschreibung ist, überhaupt einen Überblick zum vorhandenen Bestand und seinem Zustand zu haben bzw. zu erhalten. Hier liegt aktuell aus unseren Erfahrungen das Hauptproblem. Unsere aktuelle Analyse in einem Großprojekt im AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts) -Bereich belegt eine Kosteneinsparung von 25% durch Bestandsnutzung bei sofortiger Verfügbarkeit statt 6-12 Monate Lieferzeit. Das ist möglich, weil der Bestand aufgenommen wurde vor geplanter Neuausschreibung.
Strategisch gilt, wer heute linear beschafft, ignoriert Klimaneutralitätsziele, Lieferkettenrisiken und die Erwartungen der Mitarbeitenden.Die eigentliche Frage lautet also: Wie erklären wir der Rechtsaufsicht, warum wir NICHT zirkulär beschafft haben? "Günstig" ist nicht billig - sondern wirtschaftlich, über den gesamten Lebenszyklus.

Der VgV § 59 (Berechnung von Lebenszykluskosten) ist das ökonomische Herzstück der zirkulären Beschaffung.Der Ansatz erlaubt die Berücksichtigung von:

- Betriebskosten: Energie- und Wasserverbrauch (besonders relevant bei Geräten und Gebäuden).

- Wartungskosten: Ein langlebiges oder gut reparierbares Produkt (z.B. Möbel) verursacht über seine längere Lebensdauer im Verhältnis geringere Wartungskosten oder bietet durch standardisierte Ersatzteile eine höhere Planungssicherheit.

- Entsorgungskosten: Hier kann ein zirkuläres Produkt stark punkten. Wenn der Anbieter im Rahmen eines Product-as-a-Service-Modells das Produkt zurücknimmt und die Wiederverwertung garantiert, sinken die Entsorgungskosten für die Vergabestelle gegen Null. Hingegen müssen die realen Entsorgungskosten eines Billigprodukts in die LCC-Berechnung mit einfließen.

 

Werden wir in Zukunft eher Produkte oder Dienstleistungen bzw. den Service zum Bedarf beschaffen?

Die Zukunft gehört Hybrid-Modellen, nicht entweder/oder, sondern bedarfsgerecht kombiniert. Product-as-a-Service (PaaS) wird dort Standard, wo Nutzung wichtiger ist als Eigentum: IT-Hardware, Beleuchtung, Mobilitätslösungen - mit 31% Kosteneinsparung und 15% CO₂-Reduktion laut Studien.

Der Vorteil: Die Anbieter übernehmen Wartung, Rücknahme und Verwertung, Kreislaufverantwortung wird vertraglich fixiert. Gleichzeitig bleibt der strategische Eigentumserwerb relevant, etwa bei Möbeln mit langer Lebensdauer, wo Bestandsmanagement (unser Ansatz mit dem PreLoved-Konzept in der „Circular Office Journey“) wirtschaftlicher ist als Leasing.
Entscheidend ist die Bedarfsanalyse: Brauchen wir Flexibilität (→ Service), Langfristigkeit (→ Eigentum) oder beides (→ Hybrid)? Die öffentliche Beschaffung muss dafür vergaberechtlich flexibler werden. §58 VgV erlaubt bereits die Bewertung von "Verfügbarkeit" und "Service-Konzepten" als Zuschlagskriterien. Die Circular Office Journey zeigt: Die beste Beschaffung ist die, die vorhandene Ressourcen aktiviert, ob durch Eigentum, Service oder intelligentes Matching im Bestandspool. Nicht Produkt ODER Service, sondern die richtige Kombination für maximale Kreislauffähigkeit.

 


Veranstaltungen, Förderprogramme & Wissenswertes

Digitale Informations- und Austauschveranstaltung der KEK - THG-Bilanz – und jetzt? Online am Mittwoch, den 25.02.2026 von 10:00-11.30 Uhr. Sie haben eine Treibhausgas-Bilanz für Ihr Unternehmen erstellt? Sehr gut! Wir erklären Ihnen in unserer kostenfreien 1,5-stündigen Veranstaltung, wie Sie jetzt weiter vorgehen können. ANMELDEN

25-Jahre Klimaschutzpartner-Wettbewerb: Haben Sie ein innovatives Klimaschutzprojekt in Berlin umgesetzt oder geplant? Dann bewerben Sie sich jetzt auf einen der renommiertesten Klimaschutzpreise der Stadt und werden Sie Klimaschutzpartner des Jahres 2026. Einsendeschluss: 05. April 2026

Förderaufruf Energieforschung für Zirkuläre Wirtschaft – Wind, PV und System: im Rahmen des Förderaufrufs sollen für ein nachhaltiges Energiesystem Projekte in den Förderschwerpunkten Ressourceneffizienz und zirkuläre Wirtschaft, Windenergie sowie Photovoltaik gefördert werden. Wesentliches Ziel ist es, den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien durch das Konzept der zirkulären Wirtschaft resilienter, ressourcenschonender und somit auch nachhaltiger zu machen. MEHR

Vergabebeschleunigungsgesetz 2026: Am 06.08.2025 hat die Bundesregierung den Entwurf für das „Gesetz zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge“ vorgelegt. Mit diesem sogenannten „Vergabebeschleunigungsgesetz“ wird ein maßgebliches Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt, das die öffentliche Beschaffung einfacher, schneller und digitaler gestaltet. Es tritt voraussichtlich im Frühjahr 2026 in Kraft. MEHR

EU-FÖRDERUNG Kompakt - ERASMUS für Jungunternehmen: Erasmus für Jungunternehmer (EYE) ist ein EU-Austauschprogramm, das angehende und junge Unternehmerinnen und Unternehmer dabei unterstützt, unternehmerische Kompetenzen zu entwickeln und internationale Erfahrungen zu sammeln. Im Rahmen eines mehrmonatigen Aufenthalts arbeiten die Teilnehmenden bei erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern in einem anderen europäischen Land und erhalten dabei finanzielle Unterstützung. Das EEN Berlin-Brandenburg stellt das Programm am 29.01. in einem Webinar vor. ANMELDEN

Berliner Energietage 2026 (Digital: 15. bis 17. April / Präsenz: 4. bis 6. Mai im Konferenzzentrum Ludwig Erhard Haus): Diskussionen, Fishbowl-Formate, Pressebriefings, Dynamische Ultra-Kurz-Formate wie Speeddating und Lunch-Talk, Arbeitsgruppen-orientierte Formate in Breakout-Sessions, Veranstaltungen für den Überblick und fachliche Deep Dives. Die Energietage sind seit Jahren die zentrale Diskussions- und Austauschplattform im deutschsprachigen Raum. Die Energietage sind seit Jahren die zentrale Diskussions- und Austauschplattform im deutschsprachigen Raum. Wir werden ebenfalls ein Format anbieten. Dazu bald mehr hier im NL oder auf unserem LinkedIn-Kanal. MEHR

Hauptstadtkonferenz Elektromobilität im Roten Rathaus und Online: Am 19. März 2026 trifft sich ab 9 Uhr die Mobilitätsbranche im Roten Rathaus Berlin, um den Status Quo der Elektromobilität sowie nachhaltige Lösungen für die Hauptstadtregion zu diskutieren. Es geht um die Zukunft der E-Mobilität und Ladeinfrastruktur in Berlin - auch im Kontext der Wohnungswirtschaft - den dynamisch wachsenden Markt für schwere E-Nutzfahrzeuge und vieles mehr.  ANMELDEN

GITEX Europe Berlin, 30.06.-01.07.2026: Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie ist vom Senat mit der Durchführung eines Gemeinschaftsstandes – finanziert aus Mitteln des europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Berlin – betraut worden und organisiert diesen in Kooperation mit der IHK Berlin. Interessierten Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen, Startups und Netzwerken aus der Hauptstadtregion wird eine kostengünstige Beteiligung in einem attraktiven Rahmen geboten. Anmeldefrist ist der 27.02. MEHR

SET Tech Festival, 17. März 2026 im Collosseum Berlin: Start Up Energy Transition (SET) ist die globale Plattform zur Förderung von Innovationen in der Energiewende. Ihre jährliche SET100-Liste enthält die 100 besten Start-ups, die im Bereich saubere Energie und Climate Tech arbeiten, um die Energiewende voranzutreiben. Dazu gehören auch die 15 Finalisten-Start-ups der jährlichen SET Awards. ANMELDEN


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Dieser Newsletter wird von der Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK) durch Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie herausgegeben.


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