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#17 What goes around comes around

Der Kreislaufwirtschaft - Newsletter von der KEK

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Kreislaufwirtschaft-Newsletters What goes around comes around! Wir starten mit einer guten Nachricht. Berlin macht sich auf den Weg zu einer Kreislaufwirtschaftsstrategie. Vor zwei Wochen veröffentlichte die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt eine Pressemitteilung zum Start des Strategieprozesses zur Kreislaufwirtschaft in Berlin. "Die konkreten, prioritären Handlungsfelder und Umsetzungsmechanismen des späteren Strategiepapiers werden im Strategie- und Dialogprozess gemeinschaftlich festgelegt und sollen sich unter anderem an den Handlungsfeldern der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) orientieren.", heißt es in der Mitteilung. Berlin als Innovations- und Forschungsstandort bietet da beste Voraussetzungen für die Entwicklung biobasierter Lösungen.

Womit wir direkt im Thema dieser Newsletter-Ausgabe sind, nämlich zirkuläre Bioökonomie. Als Verbindung von Kreislaufwirtschaft mit der Nutzung biogener Reststoffe spielt sie e
ine wichtige Rolle bei der Schließung von Stoffkreisläufen und der Rohstoffversorgungssicherheit. In der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie wird sie unter den Querschnittsthemen genannt, da biogene Reststoffe in mehreren Handlungsfeldern und Produkten Einsatz finden können.

Die Abkehr von fossilen Rohstoffen - aufgrund ihrer eingeschränkten Verfügbarkeit und der Notwendigkeit einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise - gewinnt zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig ermöglichen knappe Anbauflächen nur eine begrenzte Produktion an biogenen Ressourcen. Hinzu kommt ihre vielfältige Nutzungsmöglichkeit als Energieträger und Ersatz für fossile Rohstoffe. Ein Großteil der in Deutschland weiterverarbeiteten Biomasse wird aktuell importiert (NKWS). Es ist also naheliegend, dass biogene und biotechnologisch nutzbare Rohstoffe möglichst lange im Kreislauf gehalten werden.

Wir haben mit der Expertin für Bioökonomie Anna-Katharina Stumpf über die Rolle von Bioökonomie in der Kreislaufwirtschaft gesprochen und wie das EU-Programm LIFE bei der Umsetzung helfen kann. Seit Februar 2025 ist Anna-Katharina Stumpf als fachliche Projektmanagerin bei der vom Bundesumweltministerium beauftragten, bundesweiten nationalen LIFE-Beratungsstelle bei der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft gGmbH tätig. Sie leitete vorher die Geschäftsstelle des Strategischen Forschungsfelds Bioökonomie für die Fraunhofer-Gesellschaft. Schön in jungen Jahren habe sie sich Gedanken über biologische Prozesse gemacht. Sie wollte wissen, wie Prozesse in der Natur ablaufen, Menschen mit der Natur interagieren und aus ihr lernen können. 

Anna-Katharina Stumpf, fachliche Projektmanagerin bei der LIFE-Beratungsstelle 

Bild: privat

Welche Rolle spielt die Bioökonomie im Übergang zu einer zirkulären Wirtschaft?

Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft sind eng miteinander verbunden und bilden gemeinsam einen entscheidenden Hebel im Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft. Das Konzept der Zirkulären Bioökonomie, die Synergie von Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft, basiert auf dem Prinzip, biogene Roh- und Reststoffe in mehrstufigen, kaskadenartigen Prozessen stofflich zu erschließen und möglichst vollständig in Wert zu setzen. Hierbei muss die Ressourcengewinnung und -nutzung in allen drei Nachhaltigkeitsdimensionen – ökologisch, ökonomisch und sozial – mitgedacht werden.  Ziel ist es, Emissionen zu senken, Neben- und Reststoffe in Wert zu setzen und schädliche Umweltwirkungen zu minimieren. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Umwelt- und Klimaschutz und industrieller Umsetzung setzt das EU-Förderprogramm LIFE an: Es unterstützt Projekte, die biobasierte Lösungen und zirkuläre Geschäftsmodelle umsetzen – und trägt so aktiv zur Transformation unseres Wirtschaftssystems bei. Durch Programme wie LIFE wird die zirkuläre Bioökonomie umsetzbar und leistet somit einen essenziellen Beitrag zur Erreichung der Ziele des EU-Green Deals und des Clean Industrial Deals.

Gibt es bestimmte biobasierte Materialien, die du als „Game Changer“ siehst? Gibt es aktuelle Trends?

Ein echter „Game-Changer“ für die zirkuläre Bioökonomie sind weniger neue Materialien oder Rohstoffe im klassischen Sinne, sondern vielmehr die Nutzung biogener Rest- und Abfallstoffe. Angesichts knapper Ressourcen und überlasteter Ökosysteme reicht Biomasse aus der Land- und Forstwirtschaft in Europa allein nicht aus, um den steigenden Bedarf nachhaltig zu decken. Gerade hier setzt LIFE an und fördert Projekte, die neue Nutzungswege für Reststoffe aufzeigen. Reststoffe – etwa aus der Lebensmittelverarbeitung, der kommunalen Bioabfallsammlung oder industriellen Prozessen – stehen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und bieten enormes Potenzial für innovative Anwendungen. Ein Beispiel aus dem LIFE-Programm ist das Projekt Waste2Protein, das organische Reststoffe nutzt, um hochwertige Insektenproteine für die Futtermittelproduktion herzustellen – ein wegweisender Beitrag zur regionalen Kreislaufwirtschaft und nachhaltigen Proteinversorgung.

Berlin ist bekanntermaßen arm an landwirtschaftlichen Flächen. Können Berliner Unternehmen von den landwirtschaftlichen Nebenerzeugnissen bzw. Reststoffen aus Brandenburg profitieren? Gibt es da bereits Synergien?

Absolut – gerade im Zusammenspiel zwischen Berlin und Brandenburg liegt großes Potenzial für eine funktionierende zirkuläre Bioökonomie. Brandenburg bringt als Agrar- und Forstland wichtige biogene Rohstoffe und Reststoffe in die Region ein, während Berlin mit seinem starken Start-up-Ökosystem und seinem Know-how in Digitalisierung ideale Voraussetzungen für die Entwicklung und Skalierung biobasierter Lösungen bietet. Bereits heute gibt es Synergien, etwa bei der Vermarktung nachhaltiger Baustoffe aus Holz oder Hanf, die in Brandenburg produziert und in Berlin verbaut werden, oder bei Lebensmitteln, die in der Hauptstadt besonders gefragt sind. LIFE unterstützt genau solche regionalen Partnerschaften: Projekte, die in Konsortien umgesetzt werden – zum Beispiel zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Berlin und Brandenburg – können eine Förderung von bis zu 60 % erhalten. Damit wird nicht nur die regionale Wertschöpfung gestärkt, sondern auch der Weg für marktfähige, zirkuläre Lösungen geebnet.

Erschweren oder verhindern die aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen die Skalierung der zirkulären Bioökonomie? Was müsste sich ändern, auf regionaler oder auch Bundesebene?

Damit sich die zirkuläre Bioökonomie in der Breite realisieren lässt, braucht es ein Umfeld, das Innovation, Umsetzung und gesellschaftliche Akzeptanz gleichermaßen unterstützt. Viele biobasierte Produkte und kreislauffähige Technologien existieren bereits, scheitern aber an mangelnden Anreizen, regulatorischen Hürden oder fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz.  Für den notwendigen Transformationsprozess braucht es daher regulatorische Klarheit und einen technologieoffenen Ansatz. Denkbar wäre beispielsweise, die Definition von Abfall und Abfalleigenschaften neu zu denken. Auch gesellschaftliche Sensibilisierung ist zentral: Denn der Wandel hin zu einer zirkulären Bioökonomie ist nicht nur eine technologische, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das LIFE-Programm fördert deshalb nicht nur konkrete Technologieprojekte, sondern auch Maßnahmen im Bereich Environmental Governance – etwa zur Bewusstseinsbildung für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster oder zur Unterstützung des EU-Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft. Solche Projekte tragen dazu bei, die Umsetzung auf regionaler wie nationaler Ebene zu beschleunigen. Die Transformation braucht ein koordiniertes Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – LIFE kann dabei eine wichtige Brücke zwischen diesen Akteuren schlagen.

Wie können Akteure aus Berlin konkret bei der Beantragung von Fördermitteln im LIFE-Programm unterstützt werden?

Für interessierte Berliner Akteure gibt es vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten auf dem Weg zur LIFE-Förderung. Die bundesweite LIFE-Beratungsstelle bietet kostenfreie Erstberatung und begleitet bei der Entwicklung und Schärfung von Projektideen. Darüber hinaus gibt es Informationsveranstaltungen, Webinare und Workshops, die den Einstieg erleichtern.

Eine gute Gelegenheit bietet sich am 20. November 2025: Beim Online-Webinar „EU-FÖRDERUNG Kompakt | EU LIFE-Programm für Kreislaufwirtschaft und Klimaprojekte“ erhalten Interessierte einen kompakten Überblick über Förderbedingungen, Themenschwerpunkte und konkrete Tipps für die Antragstellung. Die Anmeldung ist unter https://een-bb.de/v/eu-foerderung-kompakt-eu-life-programm-fuer-kreislaufwirtschaft-und-und-klimaprojekte/ möglich.

Wer eine innovative, zukunftsweisende Idee verfolgt und diese in einem europäischen Kontext umsetzen möchte, sollte das LIFE-Programm unbedingt in Betracht ziehen – wir unterstützen gerne dabei.

Kontakt zur bundesweiten LIFE-Beratungsstelle:

E-Mail: life@z-u-g.org
Webseite: www.life-deutschland.de
Beratungshotline: +49 30 72618 0228


Veranstaltungstipps und Empfehlungen

Save the Date für unsere KEK-Veranstaltung zur Nutzung von Reststoffen im November. Melden Sie sich bei Interesse unter circular@berlin-partner.de. Weitere Informationen folgen hier und auf unserem Linkedin-Kanal.

Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie – Strategien für kleine und mittlere Unternehmen am 13.10. Online: Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts „Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie Berlins“ statt und richtet sich insbesondere an Arbeitgeber*innen, Führungskräfte, Betriebsräte und interessierte Beschäftigte der Kunststoffindustrie. Anmelden

MPI Deep Dive Circular Economy am 11.11.: Die Berliner Industrie entwickelt innovative Ansätze, mit denen Materialien, Wertschöpfungsmodelle und Produktionsweisen kreislauffähig gestaltet werden. Der Masterplan Industriestadt Berlin (MPI) setzt gezielt Impulse, um diese Entwicklung mit Projekten im industriellen Ökosystem voranzutreiben und die Transformation der Berliner Industrie zu unterstützen. Anmelden

Themenkonferenz: Berlin Brandenburg Food Technology am 13.11. im Coworking Space EINS @TU Berlin: Im Fokus steht die Food Technology von morgen – zwischen technologischen Fortschritten, gesellschaftlichen Erwartungen und ökologischen Realitäten. Anmelden

Das Förderprogramm "Bioökonomie International (Bioeconomy International) 2026" fördert innovative, internationale Verbundvorhaben. Ein besonderer Fokus liegt auf der Nutzung biogener Roh- und Reststoffe und der Verwertung von CO2. Das Antragsverfahren ist zweistufig. Frist für die Einreichung von Skizzen ist der 18. November 2025. Mehr

Der European Circular Bioeconomy Fund (ECBF) ist der erste Venture Capital, der sich exklusiv skalierenden Startups aus der europäischen Bioökonomie, insbesondere der zirkulären Bioökonomie widmet. Weitere Infos zu Ticketgrößen und zum Portfolio finden Sie auf der ECBF-Webseite. Mehr

Die European Bioplastics Conference (EBC25) kehrt am 02.–03. Dezember 2025 ins Titanic Hotel Berlin zurück und bringt führende Vertreter der Branche, Innovatoren und politische Entscheidungsträger zusammen. Da immer mehr Marken und Hersteller das Potenzial von Biopolymeren erkennen und politische Rahmenbedingungen zunehmend unterstützend gestaltet werden, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um den Wandel hin zu einer biobasierten Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.Anmelden

Circular Economy Hub.Berlin: Berlins Angebotslandschaft zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft in Unternehmen ist um ein weiteres Angebot reicher! Der digitale Kreislaufwirtschaftskompass Circular Economy Hub Berlin hat einen eigenen LinkedIn-Auftritt und kürzlich einen Leitfaden zu zentralen Regularien der industriellen Kreislaufwirtschaft veröffentlicht. Zum Download

Umfrage Förder- und Unterstützungsangebote für Startups mit Schwerpunkt zirkuläre Wirtschaft und Ressourceneffizienz: Das VDI Kompetenzzentrum für zirkuläre Wirtschaft und Ressourceneffizienz (VDI ZRE) führt im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) derzeit eine bundesweite Online-Umfrage durch. Gefragt sind Einschätzungen und Erfahrungen zu Förder- und Unterstützungsangebote. Die Bearbeitung dauert nur etwa fünf Minuten.Umfrage


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Dieser Newsletter wird von der Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK) durch Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie herausgegeben.


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Telefon +49 30 46302-290
E-Mail circular(at)berlin-partner.de

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USt.-ID-Nr. DE 136629780

Vertretungsberechtigter Geschäftsführer: Dr. Stefan Franzke

Aufsichtsratsvorsitzender: Carsten Jung


Redaktion: Team KEK

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