Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Kreislaufwirtschaft-Newsletters What goes around comes around! Sie erinnern sich an die R-Strategien der Kreislaufwirtschaft? Wir haben hier schon mehrfach darauf Bezug genommen. Die Strategien R3 bis R7 (R3 Wiederverwenden, R4 Reparieren, R5 Aufarbeiten, R6 Wiederaufbereiten und R7 Umfunktionieren) haben das Ziel, die Rohstoffe innerhalb des Wirtschaftssystems zu halten, die sich bereits in Form von Produkten in diesem befinden. Sie tragen dazu bei, die Lebensdauer eines Produkts zu verlängern und Güter sowie deren Bestandteile länger in der Wirtschaft zu halten. Wenn Produkte sorgfältig demontiert werden, können Materialien und Komponenten anderweitig für denselben oder einen anderen Zweck wiederverwendet werden.
Damit die Strategien R3–R7 gut funktionieren, sind Rückführungslogistik, Rentabilität für die beteiligten Parteien und Marktakzeptanz, sowie die Umsetzung dieser Strategien durch geeignete Geschäftsmodelle erforderlich. Eine weitere Wiederverwendungsstrategie besteht darin, die Nutzungsphase des Produkts zu verlängern, indem die Prinzipien von Langlebigkeit, Haltbarkeit und Umnutzung durch hochwertige Materialien und Konstruktionen in das Produktdesign integriert (Circular Design) und durch eine Lebenszyklusanalyse validiert werden.
Um auch Verbraucher*innen einen leichteren, transparenteren und kostengünstigeren Zugang zu Reparatur zu ermöglichen, trat im Juli 2024 die EU-Richtlinie zum "Recht auf Reparatur" ("Right to Repair", kurz "R2R") in Kraft. Unter bestimmten Voraussetzungen sollen die Verbraucher*innen innerhalb sowie außerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfristen das Recht erhalten, dass ihre Waren repariert werden. Ebenfalls zu finden in der Ende 2024 verabschiedeten Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie als Maßnahme zur Förderung von Reparaturen.
Vor einem Jahr wurde in Berlin die digitale Plattform repami gestartet, um die Reparaturkultur auf ein neues Level zu heben. repami ist eine Initiative der Berliner Stadtreinigung, der Handwerkskammer Berlin und der Stiftung „anstiftung“ in Zusammenarbeit mit dem BUND Berlin und gefördert vom Land Berlin. Als Netzwerk Qualitätsreparatur soll repami den gewerblichen Reparatursektor in Berlin stärken und nicht gewerbliche Reparaturinitiativen fördern.
repami ist keine klassische Reparaturwerkstatt, sondern eine digitale Karte, auf der Reparaturmöglichkeiten gesammelt werden. Auf der Plattform werden sowohl kommerzielle Reparateure (Handwerksbetriebe) als auch nicht kommerzielle Akteure (Repair-Cafés) eingebunden, sodass Nutzer*innen die für ihre defekten Produkte geeignete Reparaturmöglichkeit in ihrer Nachbarschaft identifizieren können.
Das Projekt ist Teil der „Zero Waste“-Strategie des Landes Berlin und wird vom Berliner Senat gefördert. Es soll dazu beitragen, Abfallströme zu reduzieren, die Wiederverwendung von Produkten zu stärken und Treibhausgasemissionen zu senken. Die Plattform bietet nicht nur eine Übersicht über Reparaturangebote in der Nähe, sondern auch Informationen zur Gründung und Organisation von Reparaturcafés – Orte, an denen Nachbar*innen zusammenkommen, gemeinsam kaputte Gegenstände reparieren und dabei Wissen austauschen.
Parallel zur Plattform repami startete im September 2024 der ReparaturBONUS und wurde mit der neuen Förderperiode und Antragsstellung ab 31.01.2025 verlängert. Berlin soll Reparaturhauptstadt werden. Die Hauptstadt will mit ihrer Zero-Waste-Strategie konsequent vor allem auf Abfallvermeidung und Wiederverwendung setzen. Aufgrund des Erfolges sind die Mittel bereits vor Ende der Förderperiode ausgeschöpft. Private Konsument*innen in Berlin hatten die Möglichkeit, nicht mehr funktionstüchtige Geräte zu reparieren – anstatt diese einfach wegzuwerfen und durch neu gekaufte zu ersetzen.
Auch auf repami.de ist die Resonanz groß. Immer mehr Berliner*innen entscheiden sich bewusst gegen das Wegwerfen und für das Reparieren – sei es beim defekten Staubsauger, der wackelnden Kommode oder dem geliebten Fahrrad.
Doch repami ist mehr als eine technische Lösung. Es ist ein soziales Projekt, das Menschen zusammenbringt, Fähigkeiten stärkt und lokale Gemeinschaften fördert. Die Reparaturcafés, die Teil des Netzwerks sind, bieten Raum für Begegnung und gegenseitige Hilfe – generationenübergreifend und inklusiv. Hier wird nicht nur geschraubt und gelötet, sondern auch gelacht, gelernt und erzählt.
In dieser Ausgabe werfen wir einen Blick zurück auf das erste Jahr repami: auf die Meilensteine, die Herausforderungen und die vielen kleinen Erfolge, die zeigen, wie viel Potenzial in der Reparatur stecken.