Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Kreislaufwirtschaft-Newsletters What goes around comes around! Was des einen Urlaubszeit ist, ist des anderen Festivalsaison. Wer schon einmal nach einem Festival durch ein Meer aus Plastikbechern und Zelten gewatet ist, kennt das Dilemma: Wie lässt sich das Lebensgefühl von Festivals mit Umweltbewusstsein vereinen? Die gute Nachricht: immer mehr Veranstalter zeigen, dass Nachhaltigkeit und Spaß kein Widerspruch sind. In dieser Ausgabe soll es um die Frage gehen, wie Großveranstaltungen wie Festivals nachhaltiger gestaltet werden können. Denn mal ehrlich, die in solchen Fällen oftmals leichtfertigen Äußerungen wie "das nachhaltigste Festival ist das, welches nicht stattfindet", können wir so nicht stehen lassen.
Laut eines Beitrags von ZDF heute aus dem Juni "entstehen an einem Festivalwochenende mit 80.000 Besuchern mindestens 300 Tonnen Müll. Rund 30% der Zelte, der Plastik-Pavillons und vom billigen Equipment werden zurückgelassen und müssen entsorgt werden. Zudem reisen ungefähr 80% der Festivalbesucher mit dem eigenen Pkw an und ab." (ZDF Heute)
Das Veranstaltungsunternehmen FKP Scorpio hat für seine eigenen Festivals den Müllverbrauch pro Kopf pro Festivaltag ermittelt, inklusive aller während des Festivalbetriebs angefallenen Abfälle aus den Bereichen Camping, Gewerbe und Backstage. Daraus ergeben sich für das Hurricane ein Pro-Kopf-Verbrauch von 1,03 Kilogramm, für das Southside- Festival 1,83 kg, für das M’era Luna 0,67 kg und für das Highfield 0,81 kg. Verglichen mit dem Haushaltsabfallaufkommen in Deutschland , welches das Statistische Bundesamt in 2023 mit 433 Kilogramm pro Jahr (1,19 Kilogramm pro Tag) beziffert, wenig. Erreicht haben sie dies durch ein ausgefeiltes Abfallentsorgungskonzept.
Um erst gar nicht so viel Müll aufkommen zu lassen, gibt es diverse Möglichkeiten, sich den Kauf der eigenen Campingausrüstung zu sparen und lieber zu leihen. Das Berliner Unternehmen Outzip bietet auf seiner Webseite einen eigenen "Festival-Filter", unter dem man neben Zelten, Luftmatratzen, Decken, Geschirr und faltbaren Solarmodulen, alles tageweise leihen kann, was man für ein gelungenes Festival braucht.
Aber wie gelingt denn nun ein nachhaltiges Event? Oder um im Thema dieses Newsletters zu bleiben, ein zirkuläres Event?
Der Verein Cradle2Cradle NGO hat sich mit den Veranstaltungsunternehmen Loft Concerts, KKT GmbH - Kikis Kleiner Tourneeservice und Side by Side Eventsupport zusammengetan und 2022 und 2024 insgesamt vier Konzerte auf dem ehemaligen Flughafengelände Tempelhof veranstaltet, um genau das zu testen. Die Ergebnisse der Konzerte haben sie ausgewertet und als mehrsprachiges digitales Guidebook veröffentlicht, auf das Veranstaltende weltweit zugreifen können, um die Pionierarbeit des Labor Tempelhof fortzuführen.