Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Kreislaufwirtschaft-Newsletters What goes around comes around!
Wer online Produkte kauft - seien es nun Kleidung, Einrichtungsgegenstände oder Elektronik - hat die Qual der Wahl und auch den Zeitaufwand, wenn man sicher gehen möchte, die für einen selbst richtige Entscheidung zu treffen. Und es lohnt sich, den Zeitaufwand zu betreiben, denn die Flut an E-Commerce-Plattformen steigt und steigt und die Preise werden immer fantastischer und für viele auch verführerischer. Eine elektrische Zahnbürste von Temu für 2,99€ hier, ein Badeanzug von Shein für 7,79€ oder das Pflanztopfset von Amazon für 6,38€ dort. Wer ein Produkt über die Suchmaschine sucht, wird aggressiv heimgesucht von Werbeanzeigen von E-Commerce-Plattformen, die Preise jenseits von Produkt-, Material- und Arbeitswert versprechen und über die man nur staunen kann.
Man kann es wie einige wenige machen und dem Konsum komplett abschwören oder aber den Secondhand-Markt für sich entdecken. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass alles, was Sie an Produkten suchen, bereits gekauft wurde und auf Re-Commerce-Plattformen gehandelt wird, zu immer besserer Qualität. Re-Commerce bezeichnet den Wiederverkauf, die Wiederaufbereitung oder das Recycling von gebrauchten Produkten. Dazu zählen: Second-Hand-Verkauf, Refurbishing (z. B. bei Elektronik), Reparaturdienste, Mietmodelle, Recycling und Wiederverwertung.
Der Re-Commerce Markt nahm schon vor über 20 Jahren seinen Anfang in Deutschland, als T-Mobile mit einer Rücknahmeaktion für Handys startete. Momox war dann 2006 das erste deutsche Re-Commerce Unternehmen mit dem An- und Verkauf von gebrauchten Büchern und Medien.
Die Covid19-Pandemie hat dem Handel mit gebrauchten Produkten im Internet zum Wachstum verholfen. Aber auch zunehmende Nachhaltigkeitsbestreben und finanzielle Aspekte unterstützen den Wachstumstrend des Marktes. Laut Statista belief sich die Marktgröße des Re-Commerce weltweit im Jahr 2024 auf rund 207,2 Milliarden US-Dollar. Bis zum Jahr 2029 wird ein Wachstum von rund 55% vorausgesagt.
Nachhaltigkeit und Konsumentenverhalten
- 85% der Konsumente*innen in Europa haben im letzten Jahr gebrauchte Waren gekauft oder verkauft
- 76% sagen, dass das Stigma rund um Second-Hand-Käufe abgenommen hat.
- Für viele ist Second-Hand inzwischen ein Statussymbol – besonders in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten.
- 69% der Privatverkäufer nutzen das verdiente Geld, um Rechnungen oder Alltagskosten zu decken
Quelle: cbcommerce
Es wird davon ausgegangen, dass in den nächsten Jahren B2B-Re-Commerce-Plattformen (z.B. für den Handel von überschüssigen Lagerbeständen) und auch spezialisierte Online-Plattformen weiter wachsen werden. Die Integration von KI wird ebenfalls stärker in den Fokus rücken.
Wie das Zusammenspiel von KI und Re-Commerce-Angebot aussieht, zeigt das Berliner Startup Faircado. Es stellt europaweit den ersten KI-gesteuerten Secondhand-Einkaufsassistenten bereit. Die Technologie von Faircado hilft Nutzer*innen, die besten Secondhand-Alternativen zu dem zu finden, wonach sie online suchen. Mit der Mission, den globalen Abfall zu reduzieren und den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu unterstützen, will Faircado dazu beitragen, dass Secondhand-Waren zur ersten Wahl für Verbraucher*innen werden. Co-Founderin und CEO Evoléna de Wilde d’Estmael hat uns erklärt, wie genau Faircado funktioniert und warum sie große Hoffnung in die Generation Z hat.