Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen zu einer neuen Ausgabe What goes around comes around,
dem Newsletter, in dem es ausschließlich um Kreislaufwirtschaft und zirkuläres Design geht und in dem wir in jeder Ausgabe ins Detail gehen wollen.
Einen Wirtschaftssektor, den wir schon seit der ersten Ausgabe dieses Newsletters auf der Liste haben - und dem es nicht an Komplexität mangelt - ist der Bausektor. Allein in Deutschland ist er für etwa 40% der CO2-Emissionen verantwortlich und gehört mit 209 Mio. Tonnen, knapp die Hälfte der Abfallmenge Deutschlands, zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren.
Somit ist er aber auch der Sektor mit dem größten Hebel bei der Erreichung der Klimaziele. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) sieht vor, dass "der ab 2030 errichtete Gebäudebestand klima- und kreislaufgerecht und ressourcenschonend geplant und digital dokumentiert ist. Dem Um- und Ausbau von Gebäuden und Bauwerken und deren Weiternutzung wird Priorität eingeräumt. Hat ein Gebäude das Nutzungsende erreicht und ein Rückbau ist nötig, wird der Bauwerksbestand nach einem Rückbaukonzept einer Nachnutzung zugeführt." Vier Teilziele, um Ressourcenströme im Baubereich zu verringern, hat die NKWS für das Jahr 2045 definiert:
- Schonung primärer Rohstoffe durch gesteigerten Einsatz von Sekundärrohstoffen
- Priorisierung der Um- und Weiternutzung von Gebäuden
- Kreislaufgerechte und abfallarme Planung von Bauwerken sowie Wiederverwendung von Bauteilen
- Nutzung der stofflichen Eigenschaften der Materialien über Recyclingmaßnahmen
In Berlin wird zirkuläres Bauen bereits von einer Vielfalt unterschiedlicher Akteure in die Tat umgesetzt. Ihre Projekte, Geschäftsmodelle und Praktiken reichen von modularer Holzbauweise über Um- und Weiternutzung von Bestandsgebäuden bzw. Wiederverwendung gebrauchter Bauteile bis hin zu Recycling von Baumaterialien für weitere Einsatzzwecke. Dem Um- und Ausbau von Gebäuden und Bauwerken und deren Weiternutzung wird Priorität eingeräumt.
Dem gegenüber steht eine Liste an Hemmnissen, die die Verbreitung von Ansätzen des zirkulären Bauens erschweren: fehlende Standards im Umgang mit Sekundärbaustoffen, Bauvorschriften, fehlende Anreize für die Verwendung von zirkulären Baumaterialien…um nur ein paar zu nennen.
Wir haben für dieses Thema zwei Expert*innen aus der Berliner Verwaltung sowie aus der Wirtschaft und Wissenschaft zu Rate gezogen und wollten wissen, inwieweit zirkuläres Bauen in unserer Stadt schon umgesetzt wird und was noch besser laufen könnte. Laura Geßner ist Referentin für zirkuläres Wirtschaften im Gebäudebereich bei der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.