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#11 What goes around comes around

Der Kreislaufwirtschaft - Newsletter von der KEK

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Kreislaufwirtschaft-Newsletters What goes around comes around! Wir haben uns dieses mal mit einem vermeintlich langweiligen Thema beschäftigt. Warum das ganz und gar nicht der Fall ist, erfahren sie in den nächsten 10 Minuten und auch in unserem ersten Tipp am Ende dieses Newsletters.

Kaum jemand bemerkt sie oder macht sich Gedanken über sie, dabei regeln sie fast alle Lebensbereiche. Eine Welt ohne Standardisierungen und Normen? Vermutlich chaotisch und ineffizient. Ohne einheitliche Normen gäbe es erhebliche Unterschiede in der Qualität von Produkten und Dienstleistungen. Verbraucher könnten sich nicht darauf verlassen, dass Produkte sicher und zuverlässig sind, was zu einem Vertrauensverlust führen würde. Geräte und Systeme verschiedener Hersteller wären oft nicht miteinander kompatibel.
In der Industrie spielen Normen eine wichtige Rolle, um die Qualität, Sicherheit und Effizienz von Produkten und Dienstleistungen zu gewährleisten. Zu den nationalen und internationalen DIN-Normen gehören DIN als nationale Normen, DIN EN als europäische Normen, DIN EN ISO als internationale Normen. Darüber hinaus gibt es noch Spezifikationen und DIN SPECS.

Allein 35.000 DIN-Normen gibt es aktuell im deutschen Normenwerk und auch für Normen gibt es eine Norm, auf nationaler Ebene und auch auf europäischer Ebene, nämlich die DIN EN 45020: diese Norm regelt in Europa, was eine Norm ist, nämlich ein "Dokument, das mit Konsens erstellt und von einer anerkannten Institution angenommen wurde und das für die allgemeine und wiederkehrende Anwendung Regeln, Leitlinien oder Merkmale für Tätigkeiten oder deren Ergebnisse festlegt."

Normen sind aber keine von oben befohlenen Vorschriften. Erst nach Anstoß von außen -etwa von Firmen, Personen, dem Staat- macht sich das DIN an die Arbeit, falls die Norm nötig ist. Alle fünf Jahre werden Normen auf den Stand der Technik überprüft und veraltete Normen auch mal archiviert. Normen könne also von jeder Person angeregt werden und setzen gemeinsame Rahmenbedingungen für alle Teilnehmer eines Marktes.

Bei der Circular Economy spielen Standardisierungen eine große Rolle. Seit 2021 wird eine Normungsroadmap Circular Economy erarbeitet, die den Weg festlegt anhand der Schwerpunktthemen Digitalisierung/Geschäftsmodelle/Management, Elektrotechnik & IKT, Batterien, Verpackungen, Kunststoffe, Textilien, Bauwerke & Kommunen und der Querschnittsthemen Nachhaltigkeitsbewertung, Lebensdauerverlängerung, Digitaler Produktpass (DPP), Recyclingfähigkeit und End of Waste. Die Normungsroadmap macht Vorgaben wie die Ökodesign Verordnung und den Digitalen Produktpass, über die wir hier in unserem Newsletter auch schon berichtet haben, erst handhabbar.

Wir haben Anna Trawnitschek, Projektmanagerin für Nachhaltigkeit beim DIN e.V. gebeten, uns zu erklären, welche Rolle Normen und Standards für das Gelingen einer Circular Economy spielen.

Interview

Anna Trawnitschek

Copyright: Bert Willer

Anna Trawnitschek arbeitet als Projektmanagerin beim DIN, dem Deutschen Institut für Normung, im Bereich Nachhaltigkeit. In ihrer Arbeit geht es um alle Themen, die Normung und Circular Economy sowie Dekarbonisierungsanstrengungen verbinden. Beim DIN betreut Trawnitschek ein breites Spektrum an Projekten wie Ökodesign, vergleichbare Carbon Footprints und Remanufacturing. Mit einem akademischen und beruflichen Hintergrund in den Bereichen Wirtschaft und Produktdesign bringt sie verschiedene Perspektiven zum Thema ein.

 

Welche Rolle spielen Normen und Standards für die praktische Umsetzung der Circular Economy?

Normen und Standards sind entscheidend für die Umsetzung der Circular Economy, da sie ein einheitliches Verständnis fördern und technische Hürden abbauen. Sie tragen dazu bei, Terminologie und Schnittstellen zu vereinheitlichen. Damit wird eine klare Kommunikation und ein geeigneter Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Marktakteuren im Kreislauf sichergestellt, z. B. durch Anforderungen an recyclingfähige Produkte und eindeutige Materialklassifizierung für Hersteller und Recycler.
Darüber hinaus unterstützen Normen und Standards dabei, eine breite gesellschaftliche Akzeptanz von zirkulären Produkten zu erreichen, die wiederum Voraussetzung dafür ist, dass zirkuläre Angebote ein wirtschaftliches Erfolgsmodell werden.

Wie entstehen eigentlich Normen für die Circular Economy und wie können auch kleine und mittlere Unternehmen sich beteiligen? Woran erkennt man den Bedarf für Normierung?

Normen entwickeln diejenigen, die sie später anwenden. Normen entstehen durch einen Konsensprozess, an dem Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft beteiligt sind. Das Thema Circular Economy wird im Arbeitsausschuss NA 172-00-20 AA  “Circular Economy” des DIN-Normenausschusses Grundlagen des Umweltschutzes (NAGUS) behandelt. Dieser organisiert die deutsche Spiegelarbeit zu den Aktivitäten des ISO/TC 323 und CEN/TC 473  im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können sich aktiv in den Normungsprozess einbringen, indem sie Expertinnen und Experten in die entsprechenden Gremien entsenden. Bei DIN gibt es einen KMU-Rat, dessen Ziel es ist, die Beteiligung von KMU an Normungsprozessen zu erleichtern und sicherzustellen, dass ihre Interessen wirksam und ausgewogen vertreten werden. ​

Der Bedarf für Normung wird erkannt, indem bestehende Regelwerke analysiert und Lücken identifiziert werden. Die Normungsroadmap Circular Economy beispielsweise beleuchtet, welche Normen und Standards es bereits gibt, beschreibt Anforderungen und Herausforderungen und formuliert konkrete Handlungsbedarfe für zukünftige Normen und Standards. ​Entwickelt wurde die Roadmap von DIN, DKE und VDI gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Können Sie uns Beispiele für konkrete DIN-Normen geben, die sektorspezifische Hindernisse der Circular Economy beseitigen oder zukünftig beseitigen sollen?

Ein Beispiel für eine internationale Norm ist die ISO 59020 "Circular Economy - Messen und Bewerten der zirkulären Leistung", die allgemeine Rahmenbedingungen zur Messung der Zirkularität unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit spezifiziert.
Zudem gibt es Normenreihen wie DIN EN 18120, die sich mit der recyclingorientierten Gestaltung von Kunststoffverpackungsprodukten befassen. Diese Normen sollen dazu beitragen, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu verbessern und somit sektorspezifische Hindernisse in der Verpackungsindustrie zu beseitigen.

Für das Gelingen der Circular Economy können wir Deutschland nicht isoliert betrachten. Wie arbeitet das DIN mit anderen internationalen Organisationen zusammen, um globale Standards für die Circular Economy zu entwickeln und zu harmonisieren?

DIN vertritt die deutschen Interessen in der europäischen Normung bei CEN (Europäischen Komitee für Normung) und in der internationalen Normung bei ISO (Internationale Organisation für Normung). Etwa 85 % aller Norm-Projekte haben heute einen europäischen bzw. internationalen Hintergrund. Internationale Normen stellen eine gemeinsame technische Sprache zwischen Handelspartnern dar und fördern somit den weltweiten Handel.

Erweiterung des KEK Circular Design-Methodenkoffers durch DIN EN 45560

Die Circular Economy wird immer wichtiger, um Ressourcen zu schonen und nachhaltiger zu wirtschaften. Neue Standards und Normen aus der Normungsroadmap Circular Economy des Deutschen Instituts für Normung (DIN), helfen dabei, klare Regeln und Definitionen zu schaffen. Die Circular Economy Roadmap gilt hauptsächlich in Deutschland und entwickelt Standards und Normen für die Kreislaufwirtschaft, die wiederum nicht nur rechtliche Sicherheit bieten, sondern auch Innovationen fördern und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen stärken.
Die KEK nimmt die neue DIN EN 45560 in ihren Methodenkoffer zur kostenlosen Circular Design Beratung auf, welche sich bereits auf Tools wie das Strategiespiel "Make it Circular!" des WWF oder das "Ecodesign Kit" des Umweltbundesamts stützt.
Die DIN Norm ist kürzlich online gegangen. Toolkit und Workshops sind demnächst vorab bestellbar. Wir halten Sie darüber auf dem Laufenden.

Veranstaltungstipps und Empfehlungen

Podcast: "Menschen sind keine Ameisen - was ihr noch nie über Normung wissen wolltet, aber ganz unbedingt wissen solltet". Diplom-Bühnenschauspielerin, Diplom-Ingenieurin und Projektkoordinatorin der DIN Young Professionals Amelie Leipprand erklärt den Zuhörer:innen, warum Normung nicht die langweiligste Sache der Welt ist. Reinhören

Green AI Hub Forum 2025: Am 10. April vor Ort bei Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) und digital. Der Green-AI Hub ist ein BMUV-gefördertes Angebot, das Informationen zum Mehrwert von KI-Anwendungen für Ressourcenschonung und Circular Economy aufbereitet. Das Green-AI Hub Forum 2025 präsentiert die aktuelle Entwicklung im Bereich Green AI und KI für mehr Nachhaltigkeit. Es erwarten Sie hochrangige Vertreter*innen des deutschen Mittelstands und der KI-Szene. Anmelden

Fachkonferenz: "Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie in der 21. Legislaturperiode – nächste Schritte zur Umsetzung“  am 11. April vor Ort im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz und digital. Der Fachkonferenz vorraus geht die im Dezember 2024 vom Bundeskabinett beschlossene Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) - ein Meilenstein auf dem Weg zu einer wettbewerbsfähigen zirkulären Wirtschaft. Anmelden

Online-Veranstaltung: Aus der Frühstücksreihe 2025 "Klima und Normung" wird am 29. April über den „Clean Industrial Deal“ und die Normung berichtet. Deutschland befindet sich inmitten eines umfassenden Transformationsprozesses hin zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft. Sowohl das Erreichen der Klimaziele als auch die Klimaanpassung fordern ein rasches, konsequentes und abgestimmtes Handeln in vielen Sektoren und Lebensbereichen. DIN, DKE und VDI sind überzeugt, dass Normen und Standards hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Anmelden

Save the date!: Bei der Themenkonferenz „Digitaler Zwilling für die nachhaltige Produktion“ am 03. Juli in der TU Berlin diskutieren Expert*innen aus Wissenschaft und Industrie die Potenziale digitaler Zwillinge für eine effiziente und nachhaltige Produktion. Für Anmeldung vormerken


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Dieser Newsletter wird von der Koordinierungsstelle für Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb (KEK) durch Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie herausgegeben.


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Redaktion: Team KEK

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